Raubtiere
Mann und Kleinkindsohn benehmen sich wie wilde Tiere…
… man könnte fast sagen, sie benehmen sich wie ausgehungerte
Löwen.
Gebrüll, Gequengel, keine Minute vergeht ohne, dass einer
von beiden gereizt reagiert, die Gemüter kochen ständig über.
Vielleicht ist es ja so simpel und sie sind einfach hungrig.
Trotz Frühstück und Mittagssnack um 15 Uhr muss was zu essen
her. Ich halte diesen Krach nicht mehr aus und das ständige angequengelt werden.
Der Kleinkindsohn wird noch gestillt und seine erste Strategie bei Hunger oder
Durst führt immer noch zu meiner Bluse. Der Busen kommt mir schon ganz
ausgesaugt vor.
Ich verweigere jetzt die Brust und koche stattdessen Nudeln.
Es folgen 10 nervenzerreißende Minuten die eine deutsche Standardnudel nun mal
in kochendem Wasser braucht.
Ich bin ja sonst kein Fan von getreidelastiger Ernährung –
ganz undeutsch – doch manchmal müssen Nudeln richten was in der
Familienharmonie in Schieflage geraten ist. Parallel dazu mach ich auch noch
schnell Pfannkuchen. Auf denen bleibe ich dann sitzen, als endlich die 10
Minuten um sind und die Nudeln in den Tellern landen. Da braucht es auch nicht
viel Soße – das hätte ja zu lang gedauert. Glücklicherweise haben wir noch
Pesto im Kühlschrank.
Die wilden Tiere sind ganz ruhig am Tisch ins Essen
vertieft. Nach den ersten Minuten fangen sie sogar an spaßig, ganz harmonisch,
miteinander zu Scherzen, zu Spielen und sich die Nudeln zu teilen.
Voila, der Familienfrieden!
Ich bin zu dem Zeitpunkt mit den Nerven am Ende.
Kürzlich las ich auf hauptstadtmutti.de das Interview mit
Roman Knižka, in dem er sagte „Familie funktioniert nur, wenn die Frau gut
kochen kann.“ Bei ihnen zu hause kocht dann aber doch er.
Bei uns, da koche ich. Exklusiv!
Nicht etwa, weil ich den Kochlöffel nicht abgeben kann,
sondern weil mein Mann einfach nicht dafür zu begeistern ist. Das ist nur dann
schlimm, wenn ich mal nicht zum Kochen komme und trotzdem was auf den Tisch
muss. Wir sind jetzt nicht altmodisch und un-emanzipiert. Der Schauspieler
Roman Knižka, sagt weiter im Interview
auch „Wenn beide zu Hause agieren, dann finde ich es schön, wenn sich
innerhalb der Partnerschaft im Laufe der Zeit eine Aufgabenverteilung ergibt“ –
Find ich super. Kann ich so unterschreiben. Das mein Mann den Müll rausbringt
und ich eben koche – gut kochen kann – ist nicht altmodisch sondern
Arbeitsteilung. Das erleichtert mich jetzt sehr, dass man das so schön
formulieren kann.
Zurück zu der funktionierenden Familie:
Den Familientisch gab es schon lange nicht mehr in meinem
Leben.
Als meine Familie sich scheiden ließ und meine Mutter
weiterhin vollzeitarbeitend nur noch am Wochenende dazu kam für uns zu kochen,
und wir pubertierende Kinder auch was anderes im Kopf hatten als Familiensinn, da
ging das verloren.
Im Studium kochte ich wochenlang nicht, bis es irgendwann
wieder cool wurde.
Später habe ich die Bedeutung des Essens bezüglich meines
gesundheitlichen Wohlergehens erfahren. Besonders in der Zeit nach der
Entbindung in der wir aufgrund der kulinarischen Fähigkeiten meines Mannes uns
gefühlt wochenlang von China-Boxen ernährten, merkte ich doch wie mir das „schlechte“
Essen und die Belastung nach der Entbindung und durch das Stillen an die
Stimmung ging.
Die Bedeutung des Essens bezüglich des Wohlergehens und der
Herstellung der Familienharmonie wird mir nun langsam in meiner kleinen Familie
bewusst. Mein Kleinkindsohn isst immer mehr und wenn er nicht isst, dann stillt
er noch mehr – mit 21 Monaten. Mein Mann und mein Sohn toben und zanken und ich
kann die Harmonie herstellen durch Essen. Wieder eine Zauberkraft der Mutterschaft
– oder Vaterschaft, wer auch immer kocht. Bei uns bin das eben ich.
Wunsch an ein zukünftiges Zuhause
Ich wünsch mir einen großen Familientisch in einer passenden
Küche als Zentrum unserer hoffentlich noch wachsenden Familie.
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