Montag, 8. August 2016

Harmonie dank Familientisch


Raubtiere

Mann und Kleinkindsohn benehmen sich wie wilde Tiere…

… man könnte fast sagen, sie benehmen sich wie ausgehungerte Löwen.

Gebrüll, Gequengel, keine Minute vergeht ohne, dass einer von beiden gereizt reagiert, die Gemüter kochen ständig über.

Vielleicht ist es ja so simpel und sie sind einfach hungrig.

Trotz Frühstück und Mittagssnack um 15 Uhr muss was zu essen her. Ich halte diesen Krach nicht mehr aus und das ständige angequengelt werden. Der Kleinkindsohn wird noch gestillt und seine erste Strategie bei Hunger oder Durst führt immer noch zu meiner Bluse. Der Busen kommt mir schon ganz ausgesaugt vor.

Ich verweigere jetzt die Brust und koche stattdessen Nudeln. Es folgen 10 nervenzerreißende Minuten die eine deutsche Standardnudel nun mal in kochendem Wasser braucht.

Ich bin ja sonst kein Fan von getreidelastiger Ernährung – ganz undeutsch – doch manchmal müssen Nudeln richten was in der Familienharmonie in Schieflage geraten ist. Parallel dazu mach ich auch noch schnell Pfannkuchen. Auf denen bleibe ich dann sitzen, als endlich die 10 Minuten um sind und die Nudeln in den Tellern landen. Da braucht es auch nicht viel Soße – das hätte ja zu lang gedauert. Glücklicherweise haben wir noch Pesto im Kühlschrank.

Die wilden Tiere sind ganz ruhig am Tisch ins Essen vertieft. Nach den ersten Minuten fangen sie sogar an spaßig, ganz harmonisch, miteinander zu Scherzen, zu Spielen und sich die Nudeln zu teilen.

Voila, der Familienfrieden!


Ich bin zu dem Zeitpunkt mit den Nerven am Ende.

Kürzlich las ich auf hauptstadtmutti.de das Interview mit Roman Knižka, in dem er sagte „Familie funktioniert nur, wenn die Frau gut kochen kann.“ Bei ihnen zu hause kocht dann aber doch er.

Bei uns, da koche ich. Exklusiv!

Nicht etwa, weil ich den Kochlöffel nicht abgeben kann, sondern weil mein Mann einfach nicht dafür zu begeistern ist. Das ist nur dann schlimm, wenn ich mal nicht zum Kochen komme und trotzdem was auf den Tisch muss. Wir sind jetzt nicht altmodisch und un-emanzipiert. Der Schauspieler Roman Knižka, sagt weiter im Interview  auch „Wenn beide zu Hause agieren, dann finde ich es schön, wenn sich innerhalb der Partnerschaft im Laufe der Zeit eine Aufgabenverteilung ergibt“ – Find ich super. Kann ich so unterschreiben. Das mein Mann den Müll rausbringt und ich eben koche – gut kochen kann – ist nicht altmodisch sondern Arbeitsteilung. Das erleichtert mich jetzt sehr, dass man das so schön formulieren kann.

Zurück zu der funktionierenden Familie:


Den Familientisch gab es schon lange nicht mehr in meinem Leben.

Als meine Familie sich scheiden ließ und meine Mutter weiterhin vollzeitarbeitend nur noch am Wochenende dazu kam für uns zu kochen, und wir pubertierende Kinder auch was anderes im Kopf hatten als Familiensinn, da ging das verloren.

Im Studium kochte ich wochenlang nicht, bis es irgendwann wieder cool wurde.

Später habe ich die Bedeutung des Essens bezüglich meines gesundheitlichen Wohlergehens erfahren. Besonders in der Zeit nach der Entbindung in der wir aufgrund der kulinarischen Fähigkeiten meines Mannes uns gefühlt wochenlang von China-Boxen ernährten, merkte ich doch wie mir das „schlechte“ Essen und die Belastung nach der Entbindung und durch das Stillen an die Stimmung ging.

Die Bedeutung des Essens bezüglich des Wohlergehens und der Herstellung der Familienharmonie wird mir nun langsam in meiner kleinen Familie bewusst. Mein Kleinkindsohn isst immer mehr und wenn er nicht isst, dann stillt er noch mehr – mit 21 Monaten. Mein Mann und mein Sohn toben und zanken und ich kann die Harmonie herstellen durch Essen. Wieder eine Zauberkraft der Mutterschaft – oder Vaterschaft, wer auch immer kocht. Bei uns bin das eben ich.

 Wunsch an ein zukünftiges Zuhause


Ich wünsch mir einen großen Familientisch in einer passenden Küche als Zentrum unserer hoffentlich noch wachsenden Familie.

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